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Psychotherapie bei traumatischen Erlebnissen in der Kindheit oder Jugend

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Über ENHANCE

ENHANCE ist eine multizentrische und interdisziplinäre Studie, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Beteiligt sind Hochschulen und Universitätskliniken an den Standorten Berlin, Dresden, Gießen, Mainz und Ulm.

Psychotherapie bei traumatischen Erlebnissen in der Kindheit oder Jugend

Patient*innen können an einem unserer fünf Standorte in ganz Deutschland an der »ENHANCE«-Studie teilnehmen.

Menschen, die als Kinder oder Jugendliche Gewalt oder Missbrauch erfahren mussten, haben häufig auch noch im Erwachsenenalter psychische Probleme. Eine oft auftretende Folgeerkrankung ist die sogenannte Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Die PTBS ist eine psychische Erkrankung, die zu starken Belastungen und schwerwiegenden Problemen in vielen Bereichen des Lebens führen kann. Sie äußert sich in verschiedenen Symptomen, dazu zählen:

  • Das unwillkürliche Wiederleben des Traumas (z. B. in Form von ungewollten Gedanken, Alpträumen, Flashbacks)
  • Schlafstörungen
  • Starke Ängste, Schreckhaftigkeit und Nervosität
  • Misstrauen und Vorsicht gegenüber anderen Menschen, sozialer Rückzug
  • Depressive Stimmung, Selbstvorwürfe und das Gefühl von Hoffnungslosigkeit
  • Reizbarkeit und unkontrollierte Wutausbrüche
  • Selbstschädigendes Verhalten (z. B. Alkohol-/ Drogenkonsum, Selbstverletzung)

Durch die Möglichkeiten moderner Traumatherapie lassen sich viele dieser Beschwerden sowie auch negativen Überzeugungen über sich selbst, erfolgreich behandeln. Dabei kann leider nicht immer eine vollständige Beschwerdefreiheit erreicht werden, zumeist aber eine deutliche Verbesserung. In der ENHANCE-Studie kommen zwei moderne Traumatherapien zum Einsatz, von denen wir bereits wissen, dass sie in der Regel die Beschwerden von Patient*innen deutlich reduzieren. Unser Anliegen in dieser Studie ist es zu untersuchen, ob es Patient*innen gibt, die von der einen oder der anderen Therapie in größerem Ausmaß profitieren können. Unsere Hoffnung ist, dadurch in Zukunft Betroffenen ein verbessertes Therapieangebot machen zu können, welches verstärkt auf die individuellen Bedürfnisse der Patient*innen angepasst ist.

Wie profitiere ich von der Teilnahme?

  • Die Wartezeiten für die ambulante Psychotherapie an unseren Studienzentren sind kurz
  • Sie bekommen eine speziell für das Krankheitsbild der PTBS entwickelte psychotherapeutische Behandlung
  • Psychologische Interviews zur genaueren Beurteilung der traumatischen Belastungen, Beziehungserlebens und ggf. weiterer psychischer Erkrankungen
  • Verlaufsmessung der posttraumatischen Belastungen während und bis zu einem Jahr nach der psychotherapeutischen Behandlung
  • An den meisten Standorten können Sie an Untersuchungen zu biologischen Stressreaktionen im Körper teilnehmen
  • An den Studienzentren Gießen und Mainz können Sie zusätzlich an Untersuchungen teilnehmen, wobei Bilder der Gehirnaktivität durch das fMRT erstellt werden

Moderne Traumatherapien

Wir bieten an unseren Studienzentren jeweils zwei Traumatherapien an, denen die Patient*innen durch das Zufallsprinzip zugeteilt werden. Eine kleinere Gruppe von Patient*innen muss allerdings zunächst sechs Monate warten, bevor sie mit ihrer Behandlung starten können. Innerhalb dieser Wartezeit werden wir die Patient*innen telefonisch kontaktieren, um zu erfahren, wie es ihnen in dieser Zeit geht. Danach können die Patient*innen wählen, durch welche der beiden Therapieform sie behandelt werden möchten.

Traumafokussierte psychodynamische Therapie

In der traumafokussierten psychodynamischen Therapie wird ein besonderes Augenmerk auf die Regulierung der Gefühle sowie auf Aspekte der Beziehung gelegt, welche Patient*innen zu sich selbst, zu anderen Menschen und zu ihren Therapeut*innen gestalten.

Die Therapie erfolgt dabei in drei Phasen: Zunächst erlernen die Betroffenen Techniken, um sich zu stabilisieren und innere sowie äußere Ressourcen zu aktivieren.

In einem zweiten Schritt soll schonend gelernt werden, mit den belastenden Erinnerungen besser umgehen zu können, dabei kommt beispielsweise die sogenannte Bildschirm-Technik zum Einsatz.

In der dritten Phase geht es um die Reintegration des traumatischen Ereignisses. Reintegration bedeutet dabei nicht, dass den Erlebnissen ihr traumatisierender Charakter abgesprochen wird. Vielmehr geht es darum, diese in die eigene Lebensgeschichte zu integrieren, sodass der Erinnerung die emotionale Kraft genommen werden kann, einen im Alltag einzuschränken und immer wieder zu überwältigen.

Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie

Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie unterstützt Patient*innen dabei, mithilfe anderer Denk- und Verhaltensweisen aktuelles Belastungserleben im Zusammenhang mit ihren traumatischen Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen zu bewältigen.

Der Aufbau neuer Fertigkeiten zum erfolgreichen Umgang mit überwältigenden Gefühlen und Konflikten im zwischenmenschlichen Bereich soll es Patient*innen ermöglichen, traumatische Erinnerungen auf hilfreiche Weise aktiv aufarbeiten zu können.

Kann ich an der ENHANCE-Studie teilnehmen?

Sie sind herzlich eingeladen an unserer Studie teilzunehmen, wenn Sie

  • zwischen 18 und 65 Jahren alt
  • den Eindruck haben, unter einer posttraumatischen Belastungsstörung zu leiden, welche durch ein traumatisches Ereignis oder mehrere traumatische Ereignisse in der Kindheit oder Jugend verursacht wurde
  • aktuell keine Drogen- oder keinen übermäßigen Alkohol konsumieren
  • sich nicht in einer bereits laufenden psychotherapeutischen Behandlung befinden
  • unser Behandlungszentrum gut erreichen können

Interessieren Sie sich für die Teilnahme an der ENHANCE-Studie?

Dann nehmen Sie gerne direkten Kontakt mit einem unserer Studienzentren auf. Wir stehen Ihnen gerne für Fragen und Anmerkungen zur Verfügung!